Moderation: Was ist das eigentlich?

Moderation ist ein viel gebrauchter Begriff: Die Moderation im Fernsehen dürfte hierfür das populärste Beispiel sein. Was aber bedeutet der Begriff wirklich? Und was bedeutet er im Zusammenhang mit betrieblicher Bildung, Personalentwicklung, Unternehmens- oder Organisationsentwicklung?

Der Begriff „Moderation“ ist ein Urwort des Menschen, das zu unterschiedlichen Zeiten für Unterschiedliches stand. Verfolgt man das Wort Moderation vom Maß der Griechen über das Augenmaß der Römer, die Mäßigkeit der Mönche, die Maße des mittelalterlichen Richters, den maßvollen Fürsten bis hin zum mittelmäßigen Bürger und dem unmäßigen Schwätzer in unseren Tagen, so hat Moderation immer etwas mit Messen, Maß halten, Mäßigen zu tun gehabt (vgl. Ziegler 1992). Dies trifft auch heute den Bedeutungskern. Verwandt wird der Begriff „Moderation“ heutzutage vor allem in den Bereichen Unterhaltung und Information sowie Lernen und Problemlösungsarbeit in Organisationen.

Im Bereich der Unterhaltung, zum Beispiel im Rahmen einer Rundfunksendung, geht es darum, „die Kommunikation entsprechend bestimmter sendedramaturgischer Vorstellungen zu einem spannenden, kurzweiligen, informativen und unterhaltsamen Sendeganzen zu synthetisieren“ (Troesser 1986, S. 293), salopp ausgedrückt verfolgt man das Ziel, die Menschen zu informieren und / oder ihnen „die Zeit zu vertreiben“.

Im Bereich der Information, etwa im Rahmen von Kongressen, geht es darum, zwischen den einzelnen Veranstaltungsteilen oder -beiträgen „rhetorische Brücken“ zu bauen und durch Fragen, Provokation oder Ähnlichem den Erkenntniswert der Veranstaltung zu fördern.

Im Bereich des Lernens ist Moderation eine„Lehrmethode“, mit deren Hilfe Lernende gemeinsam ein Wissensgebiet (oder einen Aspekt daraus) bearbeiten. Der Lehrer übernimmt dabei die Rolle des Moderators, der der Gruppe hilft, ihr Wissen zu strukturieren, ohne dass er selbst inhaltlich mitarbeitet.

Bei der Problemlösungsarbeit hingegen geht es darum, Betroffenen zu helfen, im Rahmen eines Gruppengesprächs ein gemeinsames Problem zu lösen. Der vorliegende Text behandelt diesen Bereich.

Die Moderation von Gruppen

Ein zentrales Mittel zum Finden von Problemlösungen ist in modernen Organisationen das Gruppengespräch, das dazu dient, Problemstellungen zu erörtern und Beschlüsse zur Problemlösung zu erarbeiten. Da Beschlüsse immer dann am tragfähigsten sind, wenn sich alle Beteiligten darin wiederfinden, ist es wichtig, dass die entsprechenden Gespräche angeregt und lebendig sind, jeder zu Wort kommt und seinen Standpunkt vertreten kann. Damit es dann aber nicht zum unmäßigen Geschwätz oder gar zum Streitgespräch wird, muss es gemäßigt, gezügelt also, moderiert werden.

Je stärker der Einzelne inhaltlich betroffen und „von seiner Sache überzeugt“ ist, desto schwieriger ist es für ihn, sich neutral zu verhalten, Meinungen einander gegenüberzustellen und sich und damit das Gespräch zu mäßigen, zu moderieren. Im Idealfalle wird deshalb ein „neutraler Dritter“ damit betraut, die Gruppenmitglieder zu moderieren und den Gesprächsverlauf zu strukturieren. Diese Person ist dann der Moderator. Von Moderation spricht man im Zusammenhang mit Gruppengesprächen allerdings nur dann, wenn der Leiter / Moderator mit der sogenannten MODERATIOnsMETHODE© arbeitet.

Die MODERATIOnsMETHODE©

In den 60er Jahren wurde vom „Quickborner Team“ (einer Unternehmensberatungsgesellschaft) und dessen Folgeorganisationen eine spezielle Art entwickelt, Gruppengespräche zu gestalten. Es entstanden die „Metaplan-Methode“ und die „Moderationsmethode“. In der Folge wurden von vielen Beratern und Trainern Variationen entwickelt und geschult. Meist wurde dafür die Bezeichnung „Moderationsmethode“ benutzt. Was heute unter dieser Universalbezeichnung angeboten wird, ist nahezu unüberschaubar. Selbst die einschlägige Literatur ist äußerst unterschiedlich in ihrer Darbietung der Thematik. Will man Orientierung darüber gewinnen, welche Ansätze praktische Relevanz erlangt haben, kann man sich im Grunde nur auf die Standardwerke der Moderationsliteratur stützen. Hierzu muss – mit zwischenzeitlich weit über 500.000 (in mehreren Sprachen) verkauften Exemplaren – zweifelsohne auch „Visualisieren – Präsentieren – Moderieren“ 1 aus dem GABAL Verlag gezählt werden. Die dort dargestellte Methodik basiert auf der klassischen Moderationsmethode nach Klebert2. Sie ist ergänzt um ein Strukturmodell, den MODERATIOns- ZYKLUS©, zur Strukturierung einer gesamten Moderation und um zusätzliche Methoden zur Themenbearbeitung.

Diese von MODERATIO® „komponierte“ und seit vielen Jahren vermittelte spezielle Art der Gestaltung von Gruppengesprächen nennen wir MODERATIOnsMETHODE©.

Sie ist gekennzeichnet durch sieben wesentliche Merkmale:

  1. Spezifische Sitzordnung /Raumgestaltung
  2. Spezielle Medien und Hilfsmittel
  3. Arbeiten nach dem MODERATIOnsZYKLUS©
  4. Prozessbegleitende Visualisierung
  5. Arbeiten mit speziellen Problemstrukturierungsmethoden
  6. Einnehmen einer speziellen Grundhaltung
  7. Nutzen einer speziellen Fragetechnik

Die integrative Kombination aller Merkmale schafft die besten Voraussetzungen für den Erfolg einer Moderation.

1. Spezifische Sitzordnung / Raumgestaltung

Bei der Gestaltung von Gesprächen nach der MODERATIOnsMETHODE© arbeitet man im Workshop1 ohne Tische, im offenen Stuhlkreis. Dies hat verschiedene Vorteile:

  • Jeder kann jeden sehen und unmittelbar mit ihm kommunizieren.
  • Die physische Barriere zwischen den Teilnehmern fällt weg; man sitzt sich „offen“ gegenüber.
  • Jeder kann (im Bedarfsfalle) ungehindert nach vorne zu den Medien gehen und etwas visualisieren.

Wichtig ist, dass die Teilnehmer nicht wie im Kino hintereinander oder wie in der klassischen Konferenzsituation nebeneinander, sondern einander zugewandt sitzen.

Kleine Ablagetische zwischen den Stühlen können durchaus hilfreich sein.

2. Spezielle Medien und Hilfsmittel

Moderation bedarf spezieller Medien und Hilfsmittel 2. Diese sind:

  • Pinnwand
  • Flipchart
  • Moderationsmaterial

Der Einsatz dieser Medien und Hilfsmittel ermöglicht das Arbeiten mit speziellen Techniken, wie etwa der bekannten „Kartenabfrage“.

 3. Arbeiten nach dem MODERATIOnsZYKLUS©

Der MODERATIOnsZYKLUS© ist ein Strukturmodell (vgl. Seifert 2004, Visualisieren, Präsentieren, Moderieren, S.98) für den Ablauf einer kompletten Moderation. Er teilt die Arbeitszeit der Gruppe in die „Zeitscheiben“: Einsteigen, Sammeln, Auswählen, Bearbeiten, Planen und Abschließen und gibt damit eine klare Struktur für die gemeinsame Arbeit vor.

 4. Prozessbegleitende Visualisierung

Moderation lebt von Visualisierung. Sowohl die Ergebnisse als auch der Verlauf der gemeinsamen Arbeit werden „schwarz auf weiß“ festgehalten. Warum ist das wichtig? Nun, „im normalen Sprechverkehr kann ein Zuhörer maximal 8 bit/sec verstehend empfangen. Der Sprecher ist jedoch in der Lage, etwa 60 bit/sec zu erzeugen. Das bedeutet, dass Sprechen in informativer Absicht hochredundant sein muss“ (Lay 1978, S. 150). Da dies aber die wenigsten von uns in einem (vielleicht hitzigen) Gruppengespräch beherzigen (können), muss die Information komprimiert und visualisiert werden, um das einmal Gesagte dauerhaft zur Verfügung zu haben. Wesentlich ist, dass die Visualisierung kontinuierlich für alle Gesprächsteilnehmer sichtbar sein muss. Dadurch ist die Nutzung von Overhead-Projektoren ausgeschlossen; es werden die bereits angesprochenen Medien Pinnwand und Flipchart verwendet.

5. Arbeiten mit speziellen Problemstrukturierungsmethoden

Zur Strukturierung und Visualisierung der gemeinsamen Arbeit stellt die MODERATIOnsMETHODE© für jeden Schritt der Problemlösungsarbeit spezielle Methoden zur Verfügung.

Diese reichen vom „Orientierungsflip“ im Schritt 1 bis zum „Abschlussblitzlicht“ im Schritt 6. So kann der Moderator im gesamten Arbeitsprozess die Aufmerksamkeit der Gruppe auf den jeweils aktuellen Punkt konzentrieren.

6. Einnehmen einer speziellen Grundhaltung

„Grundsätzlich kann man sagen, dass es sich auf die Leistung von Gesprächsgruppen positiv auswirkt, wenn sich der Gesprächsleiter als Fachmann für Wege und Abläufe und nicht als Experte für den Gesprächsinhalt versteht“ (Myhsok 1993, S. 98). Dies ergibt sich im Grunde bereits aus der Wortbedeutung und der daraus dem Moderator zukommenden Rolle. Er hat sozusagen „von Berufs wegen keine Meinung“ zu haben. In der Praxis ergeben sich aber unterschiedliche Situationen, und oftmals ist es gar nicht so einfach, diese neutrale „Moderatorenhaltung“ einzunehmen:

In der Besprechungs-Moderation mit klein(st)- en Gruppen am „runden“ Tisch ist dieses Merkmal situationsbedingt nicht gegeben; vgl. Seifert „Visualisieren Präsentieren Moderieren“

Eine ausführliche Darstellung der Einzeltechniken fürs Moderieren finden Sie in: Seifert „Visualisieren Präsentieren Moderieren“

Fall A: Der Moderator ist der (externe) neutrale Dritte

Dies ist die Idealbesetzung. Der Moderator kann problemlos die Moderatorenhaltung einnehmen, da er inhaltlich „keine Aktien“ hat.

Fall B: Der Moderator ist der Probleminhaber

In diesem Fall geht es nur über den Kompromiss der Doppelrolle. Der Moderator muss als „primus inter pares“ auch die Teilnehmerrolle wahrnehmen. Als äußeres Zeichen, in welcher Rolle er gerade agiert, kann er beispielsweise in der Moderatorenrolle stehen und in der Teilnehmerrolle sitzen (vgl. Seifert, Besprechungen erfolgreich moderieren). Inhaltlich muss er als (besonders konstruktives) Gruppenmitglied agieren und alle Beiträge gelten lassen, die aus der Gruppe und die eigenen. Je „heißer“ das Thema ist und je stärker er inhaltlich involviert ist, desto schwieriger wird es für ihn sein, sich um einen neutralen Dritten zu bemühen, den „klassischen“ Moderator.

Fall C: Der Moderator hat auch beratende Funktion

Moderation und (Fach-)Beratung schließen einander nicht grundsätzlich aus. Auch in der Rolle des Ratgebers kann man moderierend wirken. Der Moderator darf nur nicht selbst Partei werden, z.B. für den von ihm eingebrachten Vorschlag. Er hat auch hier, wie im Fall B, eine Doppelrolle zu spielen.

7. Nutzen einer speziellen Fragetechnik

Sich inhaltlich herauszuhalten und gleichzeitig den Arbeitsprozess einer Gruppe zu steuern, ist nicht aus einer „Besserwisser-“ oder „Sagehaltung“, sondern nur aus einer fragenden Haltung heraus zu bewerkstelligen. Das Beherrschen professioneller Fragetechniken ist daher unabdingbar für jeden Moderator (vgl. Seifert, Besprechungen erfolgreich moderieren). Die MODERATIOnsMETHODE© beinhaltet deshalb drei sich ergänzende Fragetechniken:

  • Offenes Fragen
  • Spiegelndes Fragen
  • Metamodell Fragen

Diese Fragetechniken dienen dazu, dem Moderator zu helfen, die geforderte spezielle Grundhaltung einzunehmen, sich inhaltlich herauszuhalten und stattdessen die Vorstellung, das Wissen, … der Gruppenteilnehmer für den gemeinsamen Arbeitsprozess nutzbar zu machen.

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Die Literatur zu dieser Ausgabe:

  • Lay, Rupert: Führen durch das Wort, Wirtschaftsverlag Langen-Müiier/ Herbig, 2. Auflage München 1978
  • Myhsok, Dieter: Gesprachsgruppen in Organi­sationen, Hartung-Gorre Verlag, 1. Auflage, Konstanz 1993
  • Seifert, Josef W.: Besprechungen erfolgreich mode­rieren, GABAL Verlag, 16. Auflage, Offenbach 2018
  • Seifert, Josef W.: Moderation & Kommunikation, GABAL Verlag, 10. Auflage, Offenbach 2018
  • Seifert, Josef W.: Visualisieren – Prasentieren – Moderieren, GABAL Verlag, 30. Auflage, Offenbach 2018
  • Troesser, Michael: Moderieren im Horfunk, Max Niemey­er Verlag, 1. Auflage, TObingen 1986
  • Ziegler, Albert: Wer moderieren will, muss Maß halten

 


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